Kreuz der Begegnung geplant
(Märkische
Oderzeitung vom 15. Juli 2003 von Jürgen Pahn)
Kosarzyn/Ratzdorf. Am Sonntag Abend trafen sich Gläubige verschiedener Konfessionen auf der Landzunge am Zusammenfluss von Oder und Neiße nördlich der polnischen Gemeinde Kosarzyn (Küppern), um den Grundstein für ein Kreuz der Begegnung zu legen. Die Idee zu dieser künftigen Begegnungsstätte hatte die Neuzellerin Karin Wolff von einem Besuch im bayerischen Niederalteich mitgebracht, wo ein drei Meter hohes Kreuz an der Donau zum Treffen von Menschen jeglicher Konfession einlädt. Ehrengast der Grundsteinlegung war Altabt Emmanuel Walter Jungclaussen aus dem Kloster Niederaltaich, ein gebürtiger Frankfurter.Während sich viele Neugierige am Westufer der Neiße, keine hundert Meter vom Ort des Geschehens, versammelten, um aus der Ferne über die Staatengrenze hinweg an der Grundsteinlegung teilzunehmen, trafen auf der von Wildwuchs befreiten Wiese nach und nach die geladenen Gäste-Pfarrer deutscher und polnischer Gemeinden sowie Vetreter der regionalen Politik ein.
"Wir freuen uns, dass wir heute hier durch eine gute Idee zusammengeführt wurden", begrüßte Pfarrer Zobel aus Neuzelle die Gäste, "der Aufstellung eines Kreuzes der Begegnung zwischen Polen und Deutschen, zwischen Gläubigen aller Konfessionen, zwischen Anwohnern beiderseits von Oder und Neiße. Wir haben hier eine Initiatorin, Frau Wolff, die vom Kreuz an der Donau so begeistert war, dass sie sich seitdem mit viel Engagement für dieses Kreuz eingesetzt hat. Wir haben in Kozarzyn gute Freunde gefunden, die sich anstecken ließen, die sich engagiert haben. Aber auch der Landrat von Krosno hat keinen Widerspruch gegen diesen Plan erhoben." Nach einem Gebet, einer Lesung aus dem Brief an die Philipper richtete Altabt Jungclaussen das Wort an die Gäste: "Ich freue mich, Ihnen von unserem Donaukreuz berichten zu können. Unser Donaukreuz, es ist groß, drei Meter hoch, sollte ein Zeichen des Schutzes und des Gebens für die Donau sein, damit diese Donau als frei fließender Strom erhalten bleibt. Es waren Staustufen geplant, auf die man auf Grund, so meine ich, unserer Aktivität, vorläufig verzichtet hat. An der Stelle des Kreuzes spende ich jedes Jahr am Fest der Taufe Christi den feierlichen Wassersegen nach Art der Byzantinischen Kirche. Ich habe das bisher zehn Mal getan. Dazu kommt, dass in jedem Monat am letzten Sonntag bei diesem Kreuz von Menschen verschiedener Konfession Gebete für den Erhalt der Donau gesprochen werden. Dieses dauerhafte Bemühen hat eine ganz erstaunliche Wirkung auf die ganze Umgebung ausgeübt. Wenn dieses Kreuz hier ein Ort der Begegnung werden soll, ist es wichtig dass man sich in regelmäßigen Abständen hier trifft und dabei den Blick auf die Schöpfung bewahrt. Wichtig ist, dass sich eine Gruppe findet, die in Treue und Geduld regelmäßig diesen Dienst vollzieht."
Der Standort des Kreuzes ist von Gubin aus in nördlicher Richtung bis zum Dorf Kozarzyn zu erreichen. In Kozarzyn führt an der Kurve nach Chlebowo halb links ein Feldweg in Richtung Deich. Am Deich angekommen, sind es noch ca. 150m Fußweg bis zum Standort. Im Gespräch ist auch eine Fußgängerbrücke von Ratzdorf über die Neiße, wann dieses Projekt, das für eine solche Begegnunsstätte grundlegende Bedeutung hätte, jedoch realisert werden kann, ist unbekannt.
Ein Kreuz, das verbindet
(Übersetzung des
polnischen Zeitungsberichtes aus der Gazeta Gubinska vom 4.6.2002):
50 Jahre lang
waren Oder und Neiße Grenzflüsse. Jetzt werden sie zu Flüssen,
die verbinden. Seit Urzeiten bauten die Menschen Häuser und
danach Städte entlang der Flüsse, weil Wasser Leben bedeutet.
Aber nicht nur Wasser ist eine natürliche Grenze, die nicht
immer leicht zu überwinden war. Wasser trägt aber auch in sich
ein zerstörendes Element, welches auf seinem entfesselten Weg
Hab und Gut vernichtet und Opfer fordert. Auf beiden Seiten von
Oder und Neiße war das Hochwasser 1997 das schlimmste aller
Zeiten und obwohl in der Zwischenzeit fünf Jahre vergangen sind,
kehrt man in Gesprächen immer wieder zu diesen tragischen Tagen
zurück. Man möchte den Nachkommen ein dauerhaftes Symbol über
dieses Ereignis hinterlassen. Das war einer der Gründe der
Initiative von Frau Karin Wolff aus Ratzdorf, einem Dorf, das am
gegenüberliegenden Ufer des Zusammenflusses von Oder und Neiße
liegt und die Grenze zwischen Ratzdorf und Kosarzyn bildet. Sie
schlug vor, auf dem Gelände im Fluß bei Kosarzyn, gegenüber
von Ratzdorf, ein gemeinsames Kreuz zu errichten, welches nicht
nur die verheerenden Schäden des Hochwassers symbolisiert. Es
soll darüber hinaus eine Brücke zwischen unseren beiden
Völkern sein, ein Beleg der Zusammenarbeit beider Gemeinden.
"Das Kreuz soll zum Nachdenken anregen", sagt Frau
Wolff, "und in den Menschen das Gefühl und die
Sensibilität für diese schöne uralte Landschaft wecken und sie
schützen. Es sollte eine Initiative der Menschen dieser Region
sein", fügt sie hinzu. In dieser Angelegenheit trafen sich
Mitte Mai die Bürgermeister Edward Aksamitowski und Ute Petzel,
der katholische Pfarrer aus Chlebowo, Czeslaw Zawada, und der
evangelische Pastor aus Ratzdorf, Martin Zobel. Es gründete sich
ein ehrenamtliches Komitee der Zusammenarbeit zwischen diesen
Gemeinden, mit den Vertretern aus Ratzdorf, U. Petzel, M. Zobel,
Henry Bergel, Karin Wolff, Franciszek Knapik und den Vertretern
der polnischen Seite Iza Strzeszewska, Janina lzdebska, Krzysztof
Urban, Kazimierz Kosinski. Ihre Unterstützung erklärten die
unermüdlich ehrenamtlich Tätigen Jerzy Czabator aus Gubin und
Hans-Joachim Bergmann aus Guben. Alle Beteiligten sind sich
darüber im Klaren, das es keine leichte Sache sein wird, obwohl
die Einwohner von Ratzdorf die finanzielle Seite übernehmen
werden. Es werden viele Formalitäten zu erledigen sein,
verschiedene Genehmigungen und die Zustimmung des Eigentümers
des Geländes, des Regionalvorstandes der Wasserwirtschaft
Wroclaw, müssen eingeholt werden (ist angearbeitet). Die
entsprechenden polnischen gesetzlichen Regelungen dazu sind nicht
bekannt.
Daß ein solches Kreuz an der Donau in Bayern steht und damit
Österreich und Deutschland symbolisch verbindet, daß Frau Wolff
ein überzeugendes Foto von diesem Ort besitzt, den sie im
Oktober 2000 besuchte, und daß ihr dabei die Idee kam, ein
ähnliches Kreuz in Kosarzyn aufzustellen, das ist in den
polnischen Gesetzen sicher nicht vorgesehen. Dieses Symbol der
Völkerverbindung wird in Zukunft durch weitere Projekte
ausgebaut werden, z. B. eine Fähre oder eine Brücke für
Fußgänger. Dann wird sich die Zusammenarbeit zwischen beiden
Gemeinden beleben, was für Kosarzyn und die umliegenden Dörfer
von besonderem Nutzen sein wird. Ratzdorf hat 300 Einwohner und
ist eine ausgezeichnet bewirtschaftete Gemeinde, die ihre
touristischen Vorzüge voll zu nutzen weiß. Sie könnte Vorbild
und Ideengeber für attraktive touristische Angebote in unseren
Dörfern beiderseits des Flusses sein. "Der Blick auf Oder
und Neisse erfüllt uns mit Stolz. Jahrzehnte hindurch verband
man die Flüsse mit Krieg, Vertreibung, Grenze, Teilung von
Deutschland und Europa. Heute bauen wir neue Brücken zwischen
Deutschland und Polen und setzen uns ein für die Erweiterung,
der Europäischen Union", so steht es in einem Faltblatt des
Europäischen Begegnungszentrums Oder-Neisse Ratzdorf.
Kaska Janina Izdebska
Zurück zum